Bouldern in der Schwangerschaft

Sarah über das Bouldern in der Schwangerschaft

Wow! Fast 700 Leser interessierten sich für Sarah Kuster Gastbeitrag über das »Bouldern mit Baby«. Grund genug nachzufragen: Wie war es, in der Schwangerschaft zu Bouldern? Eines steht fest – es ist nicht das Ende des Hobbys, muss nicht zwangsläufig ein sofortiger Stopp sein. Wie es bei Sarah lief und warum im Bundesliga-Finale vermeintlich die Nerven versagten, lest ihr in einem weiteren Gastbeitrag.

In jüngster Vergangenheit haben mich mehrfach schwangere Freundinnen, Bekannte und auch andere Instagrammer gefragt, wie ich das gemacht habe, schwanger bouldern. Wie lief das? Man ist so unsicher und jeder redet einem rein.

»Zu der eigenen Unsicherheit kommt ein gefährlicher Cocktail aus Hormonen, die einem sehr viele Streiche spielen und dann noch die größte Gefahr überhaupt: der Mitmensch! Hier insbesondere der Mann! «

Ich verstehe die Unsicherheit! Absoult, schließlich will man nichts falsch machen und das ungeborene kleine Wesen gefährden! Zu der eigenen Unsicherheit kommt ein gefährlicher Cocktail aus Hormonen, die einem sehr viele Streiche spielen und dann noch die größte Gefahr überhaupt: der Mitmensch! Hier insbesondere sogar der Mann! Nein, ich bin absolut nicht negativ auf den Mann im Allgemeinen zu sprechen, aber im Besonderen kann ich da aus dem Nähkästen plaudern.

Ich habe immer gesagt, dass ich einmal 7b bouldern möchte, danach möchte ich Mutter werden. Gesagt, getan. Trotzdem muss man lernen die Veränderungen des eigenen Körpers, insbesondere das schwächer werden zu akzeptieren.

Beim Boulder Bundesliga Finale 2017 hatte ich bereits einen blinden Passagier an Board. Aus den Top 6 wurden dann mal eben 7. Und ich dachte, ich sei so nervös und müsse mich fast übergeben, weil eine volle Halle und ein Livestream zuschauten. Zwei Wochen später nahm ich auch noch an einem Wettkampf teil, fühlte mich aber trotz guten Trainings deutlich schwächer, naja, schlechte Tagesform, dachte ich. Wieder zwei Wochen später blickte ich dann auf den tiefroten zweiten Strich auf dem Schwangerschaftstest. Freude riesig, aber… und nun? .

Weihnachtsurlaub in Bleau stand an. Ehrgeiz? Mh… Arzttermin stand erst nach dem Urlaub an. Ok, einfach auf den Bauch hören. Ich hatte zum Glück keine extremen typischen Erscheinungen wie Übelkeit oder schlimmer, ich war hauptsächlich müde. Bis 6b konnte ich noch so sicher bouldern, dass ich nicht stürzte und nicht abspringen musste, darüber hinaus wollte mein Kopf nicht mehr und das Wetter zeigte ein Erbarmen, es regnete in einer Tour, so konnte ich ohne schlechtes Gewissen im Bett bleiben.
Zurück zu Hause, nach dem ersten Arzttermin wurde alles so greifbar. Das erste Mal das Herz schlagen gesehen, erstes Ultraschallbild, ein echte Minimenschlein erkennbar. Durch die anhaltende Müdigkeit machte ich sowieso nicht viel und wenn, dann nur in Graden, in denen man sehr hässliche fette Schwielen an den Händen bekommt, also nur Henkel.

Ab dem vierten Monat ging es mir besser. Ich sprach mit meiner Frauenärztin darüber. Sie sagte, ich könne mich selbst am besten einschätzen. Sie selbst rät Frauen grundsätzlich das weiter zu tun, was sie immer gemacht haben, jedoch nichts Neues anzufangen. In meinem besonderen Fall: nicht abspringen oder stürzen, aber ruhig gemäßigt weiterklettern. Perfekt, das war für mich das grüne Licht! Ich kenne meine Fähigkeiten, kann meine (Griff-) -kraft einschätzen und weiß, was ich mache. Klar, ein Griff kann immer rausbrechen, aber mal im Ernst, in mittlerweile 10 Kletter- und Boulderjahren ist es mir genau Null Mal passiert. Das müsste dann schon mit echt miesen Dingen zugehen.
»In Boulderhallen wurde ich mehrfach von Fremden angesprochen, ob ich das nicht etwas zu riskant fände, es sei ja unverantwortlich, was ich da machen. Diese Fragen kamen immer von  Männer […] oft solchen, bei denen man zuschaut und im Geiste schon die 112 wählt.«

Mein wichtigster Rückhalt hierbei: mein Mann Jan.
Er sagte mir von Anfang an, er kenne niemanden, der sich so gut einschätzen könne und er vertraue mir und dem was ich mache zu 100%. Wenn ich sage ich schaffe das, ist das auch so. Das hat mich in meinem Handeln nochmals bestärkt. Dadurch, dass wir auch schon solange zusammen bouldern, kennt er meine Stärken und Schwächen und ich konnte ihn des Öfteren fragen „kann ich das?“ und er gab mir eine genaue, ehrliche Antwort, auf die ich vertrauen konnte/kann.

In Boulderhallen wurde ich mehrfach von Fremden angesprochen, ob ich das nicht etwas zu riskant fände, es sei ja unverantwortlich, was ich da mache und ähnliche Kommentare durfte ich mir anhören. Das Verrückte daran ist, es waren ausschließlich Männer, wovon mindestens 80% schlechter kletterten als ich. Die, bei denen man zuschaut und im Geiste schon die 112 wählt.
Auch wenn in einer Gruppe bei Facebook eine Frau nach Erfahrungen bezüglich Gurten für Schwangere oder generell klettern/bouldern in der Schwangerschaft fragt, kommentieren meist Männer mittleren Alters, warum man das nicht gerade mal für die paar Monate sein lassen könne. Das verstehe ich nicht! Warum denn??? Damit ich unzufrieden bin? Sagt man nicht „glückliche Mama = glückliches Baby“?

Dann kommt ein konstruktiver Beitrag von einem Mann, dessen Frau es genau so gemacht hat. Daraufhin scheinen sich dann auch mal ein oder zwei Frauen zu trauen. Das kann einen echt verunsichern! Man fühlt sich eh schon anders und dann weiß es jeder besser?
Von Frauen – insbesondere von Mitschwangeren oder Müttern kam nur Zuspruch (oder sie haben es nicht gesagt!?). Fanden alle total klasse und haben es entweder ähnlich gemacht oder hätten es gerne, konnten aber vielleicht wegen einer Risikoschwangerschaft nicht. Das geht dann natürlich auch nicht! In so einem Fall hätte ich es auch nicht gemacht. Auch wenn Kopf oder Bauch „nein“ gesagt hätten, wäre es völlig ok gewesen! Man wird vorsichtiger und geht kein Risiko ein und wenn dieses Nein da ist, muss man das auch akzeptieren.
In der 24. Woche bin ich in Bleau noch eine letzte 6a+ gebouldert. Danach waren wir noch auf Mallorca bouldern, aber über 2-4 ging es nicht mehr hinaus. Damit war es für mich draußen vorbei. Ich bin schwer geworden, alles wurde weich und so große Henkel gibt es in Bleau leider nicht. In der 28. Woche hatte ich eine Episode, in der ich mich ausruhen musste und liegen sollte. Wir haben in der Zeit zu Hause kernsaniert und auf der Arbeit war es auch sehr stressig. Ich habe mich wieder super erholt, bin dann aber dennoch deutlich kürzer getreten und habe alles in Ruhe gemacht.

In der Halle habe ich noch bis zur 30. Woche ganz leichtes Henkelturnen 30cm über dem Boden veranstaltet, was aber einerseits verdammt langweilig wurde und andererseits auch einfach nur noch weh tat. Ich hatte noch nie so viele Schwielen. In so kurzer Zeit konnten sich meine Hände nicht an so viel Zusatzgewicht gewöhnen und der Bauch war im Weg. Der Kopf sagte, „es reicht“, deswegen hörte ich auf. Jan boulderte solidarisch auch weniger, was ich nie verlangt hätte, aber sehr lieb fand.
Das, was ich hier schreibe, ist kein Pauschalrezept, keine Anleitung, sondern meine glücklich und quasi komplikationslos verlaufende Schwangerschaft. Sobald ein Zahnrad anders gestellt worden wäre, hätte ich auch anders darauf reagiert.
Ich habe viel zu dem Thema gelesen. Beth Rodden hat in ihrem Blog unzählige Artikel genau zu dieser Thematik verfasst. Sie hat sogar eine eigene Umfrage zum Thema Frühgeburtlichkeit/Fehlgeburt/Klettern in der Schwangerschaft gestartet. Leider noch ein Einzelfall, aber dadurch, dass der Kletter- und insbesondere der Bouldersport so boomt, werden immer mehr Paare vor dieser Herausforderung stehen und garantiert nimmt sich der ein oder andere Bachelor-/ Masterstudent/Doktorant auch mal dieser Thematik an. Bei Beth Rodden war klar die Aussage, dass ein Weiterführen der Kletteraktivität nicht zu einer höheren Fehl-/Frühgeburtenrate führte. Nun kann man es ausdiskutieren auf welchem Niveau dort geklettert wurde und über den Unterschied, ob es klettern oder bouldern ist. Ich wollte tatsächlich ursprünglich auch aus Sicherheitsgründen in der Schwangerschaft auf das Seil umsteigen, da hat aber witzigerweise mein Kopf „nein“ gesagt und empfand es als zu unsicher. Merkwürdig, oder?

Ich persönlich würde es immer wieder so machen und jeder Freundin raten auf ihr Bauchgefühl zu hören und sich als Paar einig sein. So kann man mit sich selbst im Reinen eine glückliche Boulderschwangerschaft erleben.

1. Liga Damen

Sarah Kuster

Chimpanzodrome

Ergebnis - DAV Kletterzentrum Nordhessen:

1. Liga Herren

Jan Kuster

Chimpanzodrome

Ergebnis - DAV Kletterzentrum Nordhessen:

Alex Megos steht im Finale – Janja Garnbret erstmals nicht

Das gab’s noch nie! Janja Garnbret verpasst das Finale beim Lead Weltcup in Chamonix. Auch bei den Herren gab es einige Überraschungen. Aus deutscher Sicht jedoch erfreulich: Mit dem 8. Platz sicherte Sich Alexander Megos den Finaleinzug. Ab 20Uhr wird das Finale vom Lead Weltcup aus Chamonix live übertragen. Alexander Megos wird bei den Herren den Wettkampf eröffnen. Hier gibt’s den Stream.

Endspurt im Einstein

Es ist schon ein Weilchen her, als zum Kickoff im Einstein München wieder dutzende Bundesligisten an den neuesten Boulder projektierten. Ein besonderer Auftakt, auch dank der Brezeln mit Weißwürsten – quasi der Bayrischen Form des Clifbar-Athletenfrühstücks. Am kommenden Sonntag endet der 6. Spieltag der Boulder Bundesliga. Zeit die Projekte abzuhaken.

Bouldern mit Baby – von Köln bis Fontainebleau

GASTBEITRAG – Sarah Kuster – »Ohne Kind hätten wir nie darüber nachgedacht eher abzureisen. Selbst mit dreifachem Bänderriss bin ich vor Ort geblieben und mit in die Gebiete gehumpelt, aber wenn es ums Kind geht, denkt man plötzlich ganz anders, verrückt.«